VG Saarlouis Urteil vom 29.10.2010, 1 K 831/09

Schulgeldfreiheit Saarland; Vertrag über Abgeltung von Schulsachkosten; Wohnsitz oder ständiger Aufenthalt im Ausland

Leitsätze

Gemäß § 1 Satz 2 des Gesetzes über Schulgeldfreiheit im Saarland können Schulträger mit Schülerinnen und Schülern, die ihren Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt im Ausland haben, die Abgeltung von Schulsachkosten vereinbaren.



Ein solch öffentlich-rechtlicher Vertrag verstößt auch dann nicht gegen das sich aus Art. 18 Abs. 1 EG Vertrag a.F. (nunmehr Art. 21 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union - AEUV) ergebende Verbot, die Freizügigkeit von Unionsbürgern zu beschränken, wenn der Erziehungsberechtigte des Schülers gemäß § 1 Abs. 2 Ziffer 2 EStG als Angehöriger des Öffentlichen Dienstes in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist.

Tenor

1. Der Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 680,00 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 %-Punkten über dem Basiszinssatz seit dem 01.06.2008 zu zahlen.

2. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

3. Die Kosten des Verfahrens werden gegeneinander aufgehoben.

4. Das Urteil ist für die Klägerin gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 780,00 EUR vorläufig vollstreckbar. Für den Beklagten ist das Urteil wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar; die Klägerin darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung eines Betrages in Höhe der sich aus dem Kostenfestsetzungsbeschluss ergebenden Kostenschuld abwenden, falls nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in derselben Höhe leistet.

Tatbestand

Die Klägerin begehrt von dem Beklagten die Zahlung des vertraglich vereinbarten Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2008/2009 sowie den Abschluss eines öffentlichrechtlichen Vertrags über die Verpflichtung zur Zahlung eines Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2009/2010.

Der Beklagte und seine Mutter sind deutsche Staatsangehörige, wohnen jedoch in der französischen Grenzgemeinde. Die Mutter des Beklagten arbeitet als beim Landeskriminalamt des Saarlandes.

Am 28.11.2005 stellte die Mutter des Beklagten für diesen bei der Klägerin einen Antrag auf Bereitstellung eines Grundschulplatzes an der Grundschule. Zur Begründung führte sie aus, dass sie als Alleinerziehende mit hoher zeitlicher Inanspruchnahme durch den Beruf darauf angewiesen sei, ihren Sohn in einer Schule unterzubringen, die sich in fußläufiger Nähe zu ihrer Arbeitsstätte befinde und außerdem eine Nachmittagsbetreuung bis ca. 18.00 Uhr anbiete.

Die Klägerin teilte der Mutter des Beklagten mit Schreiben vom 06.03.2006 mit, dass sie mit der Einschulung des Beklagten in die Grundschule unter der Voraussetzung einverstanden sei, dass der Beklagte sich - entsprechend dem Beschluss des Saarbrücker Stadtrats - vertraglich zur Zahlung eines jährlichen Schulsachkostenbeitrags verpflichte. In der Folge unterzeichnete die Mutter des Beklagten als dessen gesetzliche Vertreterin den von der Klägerin übersandten Vertrag und erbrachte - wie vertraglich vereinbart - den Schulsachkostenbeitrag für die beiden Schuljahre 2006/2007 und 2007/2008.

Mit Schreiben vom 07.09.2006 bat die Mutter des Beklagten die Klägerin um Erstattung des bereits geleisteten Schulsachkostenbeitrags sowie um Befreiung von diesem in den Folgejahren. Zur Begründung führte sie aus, dass sie als Beamtin - anders als sonstige, nicht in einem öffentlichen Dienstverhältnis stehende Einkommensbezieher - trotz ihres französischen Wohnsitzes in Deutschland einkommensteuerpflichtig sei, wodurch der Landeshauptstadt jährlich ca. 6.000 EUR Einkommensteuer von ihr zuflössen. Es gehe nicht an, sie mit solchen Personen gleichzusetzen, die ihr in Deutschland verdientes Einkommen in Frankreich versteuerten. Im Übrigen verstoße es gegen den Gleichheitsgrundsatz, wenn der Regionalverband B-Stadt für seine Grundschulen auf die Erhebung von Schulsachkostenbeiträge verzichte, wenn das Einkommen der Eltern in Deutschland versteuert werde, während die Klägerin auch gegenüber diesem Personenkreis auf der Entrichtung des Schulsachkostenbeitrags bestehe.

Die Klägerin teilte dem Beklagten mit Schreiben vom 21.09.2006 mit, dass sie dem Wunsch nach Befreiung von der Zahlungspflicht und Rückerstattung der bereits gezahlten Sachkosten nicht entsprechen könne. Trotz entsprechender Erinnerungen der Klägerin zahlte der Beklagte den Schulsachkostenbeitrag für das Schuljahr 2008/2009 nicht.

Mit Schreiben vom 01.07.2009 und 13.08.2009 wies die Klägerin die Mutter des Beklagten darauf hin, dass bei Nichtzahlung des ausstehenden Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2008/2009 der Beschulungsvertrag vertragsgemäß zum Schuljahresende auslaufe und dem Beklagten mithin im kommenden Schuljahr 2009/2010 kein Recht mehr zum Besuch der Saarbrücker zustehe.

Der Beklagte leistete in der Folge weder eine Zahlung auf den ausstehenden Schulsachkostenbeitrag 2008/2009 noch schloss er mit der Klägerin einen neuen Beschulungsvertrag für das Schuljahr 2009/2010 ab. Vielmehr wandte sich die Mutter des Beklagten mit Schreiben ihres Anwaltes vom 05.08.2009 an die Klägerin und drängte auf eine Zusage, dass der Beklagte auch im Schuljahr 2009/2010 die Grundschule besuchen dürfe.

Mit Schreiben vom 19.08.2009 teilte die Klägerin der Mutter des Beklagten mit, das trotz ihrer bisherigen Weigerung zur Entrichtung des geforderten Schulsachkostenbeitrags allein im Interesse der weiterhin geordneten schulischen Entwicklung ihres Kindes dem Wunsch nach Beschulung des Beklagten auch im Schuljahr 2009/2010 entsprochen werde. Hiermit sei jedoch kein Verzicht auf die Entrichtung der geforderten Schulsachkostenbeiträge verbunden. Es werde gebeten, bis spätestens 26.08.2009 die Bereitschaft zu Zahlung der ausstehenden Schulsachkostenbeiträge für die Schuljahre 2008/2009 sowie 2009/2010 mitzuteilen. Nach ergebnislosem Ablauf der gesetzten Frist finde eine gerichtliche Inanspruchnahme statt.

Am 01.09.2009 hat die Klägerin die vorliegende Klage erhoben. Zur Begründung macht sie geltend, der Klageantrag zu 1) gründe sich auf den zwischen der Klägerin und dem Beklagten am 06.03.2006 geschlossenen Beschulungsvertrag. Unter Ziff. 3 des Beschulungsvertrags verpflichte sich der Beklagte zur Zahlung eines jährlichen Schulsachkostenbeitrags. Die geltend gemachte Zinsforderung beruhe auf § 288 BGB, der vorliegend entsprechende Anwendung finde. Der Fälligkeitszeitpunkt ergebe sich aus Ziff. 5 des Beschulungsvertrags vom 06.03.2006.

Bezüglich des Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2009/2010 könne die Klägerin einen Anspruch aus dem Beschulungsvertrag vom 06.03.2006 nicht mehr herleiten, da dieser Vertrag ausweislich seiner Regelung unter Ziff. 13 aufgrund der verweigerten Zahlung für das Schuljahr 2008/2009 mit dessen Ende ausgelaufen sei.

Der Klägerin stehe jedoch gegen den Beklagten ein Anspruch auf Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrags betreffend die Zahlung eines Schulsachkostenbeitrags zu. Die Klägerin könne sich insoweit auf den auch im öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) berufen. Der Beklagte bzw. seine Mutter als seine gesetzliche Vertreterin, deren Verhalten er sich insoweit zurechnen lassen müsse, verhalte sich nämlich treuwidrig, wenn er einerseits gegenüber der Klägerin nachdrücklich auf die erneute Aufnahme in die Grundschule dränge, andererseits sich dem Abschluss eines entsprechenden Sachkostenübernahmevertrags mit der Klägerin verweigere, obwohl er wisse, dass der Stadtrat der Klägerin einen entsprechenden Schulsachkostenbeitrag von im Ausland wohnenden Schülern für den Besuch einer Saarbrücker Grundschule fordere.

Die Weigerung des Beklagten bzw. seiner Mutter zur Zahlung des Schulsachkostenbeitrags sei auch keinesfalls gerechtfertigt.

Soweit die Mutter des Beklagten vortrage, sie zahle jährlich ca. 6.000 EUR Einkommensteuer, die der Klägerin zuflössen, womit sie ihren Anteil zu dem Schulsachkostenaufwand der Klägerin hinreichend Genüge getan habe, verkenne sie bereits ansatzweise, dass der Klägerin das Einkommensteueraufkommen der Bürger bzw. der dort Beschäftigten nicht zustehe, sondern nur ein geringer Bruchteil der von diesem Personenkreis geleisteten Einkommensteuern über ein kompliziertes Verrechnungsverfahren an die Gemeinden zurückfließe.

Der Einwand der Mutter des Beklagten, die Klägerin verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz, da der Regionalverband von der Geltendmachung von Schulsachkostenbeiträgen absähe, wenn die Eltern der im Ausland wohnenden Schüler ihr Einkommen in Deutschland versteuerten, verkenne, dass sich das Gleichbehandlungsgebot selbstverständlich nur auf den Zuständigkeitskreis der jeweiligen Körperschaft beziehen könne.

Der Einwand, die Erhebung von Schulsachkostenbeiträgen verstoße gegen das im EU-Recht verankerte Recht auf Freizügigkeit, liege neben der Sache. Es sei auch nicht ansatzweise ersichtlich, wie die Wohnortnahme in Frankreich durch die Erhebung eines Schulsachkostenbeitrags in B-Stadt für im Ausland lebende Schüler erschwert sein könne. Dem Beklagten bleibe es selbstverständlich nach wie vor unbenommen, seinen Wohnsitz in Frankreich zu nehmen, um sich damit selbstverständlich auch der französischen Schulpflicht zu unterstellen. Die Mutter des Beklagten betreibe nichts anderes als „Rosinenpickerei", wenn sie behaupte, ihr werde die Wohnortnahme in Frankreich durch die Erhebung von Schulsachkostenbeiträgen in B-Stadt „vermiest". Wer seinen Wohnort in ein anderes EU-Land verlege, müsse auch die damit verbundenen Nachteile für seine Person - wie fremde Sprache, weiterer Anfahrtsweg zur Arbeit etc. -„in Kauf nehmen" und dürfe nicht die aufgrund seiner ureigenen Entscheidung entstandenen Erschwernisse auf Dritte „abladen", indem diese die persönlichen Nachteile seiner Entscheidung kompensieren sollten.

Die Klägerin beantragt,

1. den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin 680,00 EUR zuzüglich Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 01.06.2008 zu zahlen,

2. den Beklagten zu verurteilen, mit der Klägerin einen öffentlich-rechtlichen Vertrag betreffend die Verpflichtung zur Zahlung eines Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2009/2010 abzuschließen.

Der Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Zur Begründung trägt er vor, der streitgegenständliche Beschulungsvertrag sei aufgrund der Unvereinbarkeit mit Europarecht nichtig, soweit er eine Verpflichtung des Beklagten zur Zahlung von Sachkostenbeiträgen in Höhe von 654,00 EUR für jedes Schuljahr enthalte und könne daher nicht Anspruchsgrundlage für den in Ziff. 1) geltend gemachten Zahlungsanspruch sein.

Bei dem Beschulungsvertrag handele es sich um einen öffentlich-rechtlichen Vertrag i. S. d. § 54 VwVfG, da der Gegenstand der Vereinbarung den Normen des öffentlichen Rechts zuzuordnen sei. Der Vertrag sei jedoch gem. § 59 VwVfG, insbesondere nach § 59 Abs. 1 VwVfG i.V.m. §§ 134, 138 BGB nichtig, da er mit EU-Recht nicht vereinbar sei und daher gegen ein gesetzliches Verbot verstoße.

Grundsätzlich bestehe vor dem Hintergrund der Pflicht zu gemeinschaftstreuem Verhalten aus Art. 10 EGV i.V.m. Art. 23 GG die Pflicht der Mitgliedsstaaten und ihrer Verwaltungen zu europarechtskonformer Anwendung von nationalen Regelungen. Auch vor dem Hintergrund des Effet-utile-Grundsatzes sei in der Rechtsprechung des EuGH anerkannt, dass das nationale Recht bei seiner Anwendung derart ausgelegt werden müsse, dass sich das Gemeinschaftsrecht am besten durchsetze, da letzteres Vorrang vor dem nationalen Recht genieße.

Zu den gesetzlichen Verboten, die sich aus dem Recht der europäischen Union ergeben könnten, gehöre insbesondere auch das Verbot die Freizügigkeit aus Art. 18 EGV einzuschränken.

Die Behörden der Mitgliedstaaten seien nach dem Prinzip des Anwendungsvorrangs verpflichtet, sich europarechtskonform zu verhalten. Dies gelte selbst dann, wenn dies im Einzelfall zur Nichtanwendung entgegenstehender nationaler Vorschriften zwinge. Im Hinblick auf § 1 S. 2 des Saarländischen Gesetzes über die Schulgeldfreiheit, der dem Schulträger ein „Ermessen" einräume, sei daher jedenfalls eine gemeinschaftsrechtskonforme Auslegung und Anwendung der Vorschrift geboten.

Die Klägerin könne ihren Anspruch ebenso wenig auf § 1 Satz 2 des Saarländischen Gesetzes über die Schulgeldfreiheit stützen, in dem vorgesehen sei, dass Sachkostenbeiträge von deutschen Staatsbürgern, die im Ausland ihren Wohnort hätten und in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig seien, zugelassen und vereinbart seien, da diese Vorschrift nach den bereits dargelegten europarechtlichen Grundsätzen ebenfalls nichtig sei bzw., soweit dies überhaupt möglich sei, jedenfalls gemeinschaftskonform anzuwenden sei. Die vertragliche Vereinbarung sowie die Vorschrift des § 1 Abs. 2 des Saarländischen Gesetzes über die Schulgeldfreiheit verletzten den Beklagten als Normadressaten in seinem Recht auf Freizügigkeit aus Art. 18 EGV, auf den sich der Beklagte hier zur Abwehr des Anspruchs berufen könne.

Die in Art. 18 EGV verbürgte Freizügigkeit gewähre jedem Unionsbürger das Recht, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten. Die Wahrnehmung dieses Rechts werde durch die vertragliche Vereinbarung zwischen den Parteien sowie die sich aus § 1 S. 2 des Saarländischen Gesetzes über die Schulgeldfreiheit ergebende Verpflichtung zur Zahlung von Sachkostenbeiträgen an den Schulträger beeinträchtigt, da von dieser zusätzlichen finanziellen Belastung für die in Deutschland unbeschränkt Einkommenssteuerpflichtigen, die ihre Kinder in Deutschland beschulen wollten, eine abschreckende Wirkung dahingehend ausgehe, ihren Wohnsitz in einen angrenzenden Mitgliedsstaat zu verlegen. Ähnlich wie in den Fällen der deutschen Eigenheimzulage und des Abzugsrechts nur für Schulgeldzahlungen an private inländische Einrichtungen, deren Gemeinschaftswidrigkeit der EuGH in - EuGH, U. v. 17.01.2008, Rs. G - 152/05 - (Kommission/Deutschland), EuZW 2008, S. 127 ff. und EuGH, U. v. 11.09.2007, Rs. G - 318/07 - (Kommission/Deutschland), EuZW 2007, S. 601 ff. festgestellt habe, liege hier eine unzulässige Beschränkung der Freiheiten, die Art. 18 EGV den Unionsbürgern verleihe, vor. Die Erleichterung, die das Recht auf Freizügigkeit allen Unionsbürgern gleichermaßen gewähre, könne ihre Wirkung nicht voll entfalten, wenn die Wahrnehmung dieses Rechts durch nationale Regelungen behindert werde, die an die Ausübung der Freizügigkeit nachteilige Folgen knüpften.

Für die Einschränkung des durch den EGV garantierten Rechts auf Freizügigkeit durch die Erhebung der Sachkostenbeiträge sei in diesem Fall auch keine europarechtlich anerkannte Rechtfertigung ersichtlich. Insbesondere sei die Einschränkung nicht aus Gründen des Allgemeininteresses geboten. Der Beklagte, dessen gesetzliche Vertreterin in Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerverpflichtet sei, trage in gleichem Umfang zum Steueraufkommen bei, wie die übrigen in Deutschland unbeschränkt Einkommenssteuerverpflichteten.

Wenn mit dem Ziel, die Deckung von Sachkosten zu gewährleisten zusätzliche Leistungen gegenüber in Deutschland unbeschränkt Einkommenssteuerpflichtigen geltend gemacht würden, so habe dies für alle Betroffenen in gleichem Umfang zu erfolgen. Die zusätzliche finanzielle Inanspruchnahme des Beklagten gehe über das zur Erreichung dieses Ziels Erforderliche hinaus und führe zu einer Ungleichbehandlung ohne sachlichen Grund. Der Schüler und seine Mutter seien allein deswegen benachteiligt, weil sie von ihrer Freiheit, sich in einen anderen Mitgliedstaat zu begeben, Gebrauch gemacht hätten und damit in ihren Rechten aus Art. 18 EGV verletzt.

Die Klägerin sei dazu verpflichtet, das Prinzip des Anwendungsvorranges zu beachten und eine Regelung zu treffen, die mit geltenden gemeinschaftlichen Vorschriften in Einklang stehe. Die dem EG-Recht entgegenstehende auf § 1 des Saarländischen Gesetzes über die Schulgeldfreiheit beruhende vertragliche Vereinbarung vom 06.03.2006 sowie die zugrunde liegende landesrechtliche Norm selber seien nichtig da sie gegen ein rechtliches Verbot i. S. d. § 134 BGB verstießen. Zur Herstellung des gemeinschaftsrechtkonformen Zustandes sei der Beklagte von seiner Pflicht zur Zahlung von Sachkostenbeiträgen zu befreien.

Die Klägerin habe nach alledem ferner keinen Anspruch - wie unter Ziff. 2) beantragt - darauf, dass der Beklagte zum Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages betreffend die Verpflichtung zur Zahlung eines Schulsachkostenbeitrages für das Schuljahr 2009/2010 verpflichtet sei.

Wegen des Sachverhaltes im Einzelnen wird Bezug genommen auf den Inhalt der Gerichtsakte sowie der beigezogenen Verwaltungsunterlagen, der zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht wurde.

Entscheidungsgründe

Die Klage ist zulässig, jedoch nur in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang begründet.

1. Die Klägerin hat gegen den Beklagten einen Anspruch auf Zahlung eines Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2008/2009 in Höhe von 680,00 EUR nebst Verzugszinsen in Höhe von 5 %-Punkten über dem Basiszinssatz seit dem 01.06.2008.

Dieser Anspruch ergibt sich aus dem zwischen der Klägerin und dem Beklagten, vertreten durch seine Mutter, geschlossenen Vertrag vom 06.03.2006.

In Ziff. 3 dieses Vertrages verpflichtet sich der Beklagte, zur Abgeltung der Sachkosten der Klägerin als Schulträger einen anteiligen Beitrag in Höhe von 654,00 EUR für das Schuljahr 2006/2007 und jedes weitere Grundschuljahr zu zahlen. Nach Ziff. 4 Satz 1 des Vertrages wird der Sachkostenbeitrag an die allgemeine Preisentwicklung angepasst. Nach Satz 2 wird eine solche Anpassung den Eltern schriftlich mitgeteilt. Gemäß Ziff. 5 des Vertrages ist der Sachkostenbeitrag im Voraus spätestens bis zum 01.06. des betreffenden Kalenderjahres fällig.

Mit Schreiben vom 18.04.2008 teilte die Klägerin dem Beklagten unter Bezugnahme auf Ziff. 4 des Vertrages mit, dass der Sachkostenbeitrag für das Schuljahr 2008/2009 680,00 EUR betrage, die bis zum 01.06.2008 zu zahlen seien.

Damit waren Betrag und Fälligkeit des vertraglich für das Schuljahr 2008/2009 vom Beklagten zu zahlenden Schulsachkostenbeitrages hinreichend bestimmt. Gegen eine dynamische Anpassung des Sachkostenbeitrages an die allgemeine Preisentwicklung, hier offensichtlich angelehnt an § 2 der Verordnung über Schulsachkostenbeiträge zwischen kommunalen Schulträgern vom 13.04.2004 (Amtsblatt 2004, 998), bestehen keine Bedenken.

Wie der Beklagte zutreffend vorträgt, handelt es sich bei dem zwischen der Klägerin und dem Beklagten geschlossenen Vertrag um einen öffentlich-rechtlichen Vertrag im Sinne des § 54 SVwVfG. Entgegen der Ansicht des Beklagten ist der Vertrag nicht gemäß § 59 SVwVfG i.V.m. §§ 134,138 BGB wegen Verstoßes gegen EU-Recht nichtig. Insbesondere liegt kein Verstoß gegen das sich aus Art. 18 EG Abs. 1 a.F. (nunmehr Art. 21 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union – AEUV) ergebende Verbot, die Freizügigkeit von Unionsbürgern zu beschränken, vor.

In Art. 18 EG a.F. (Art. 21 AEUV) ist das Recht eines jeden Bürgers der Europäischen Union, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten, niedergelegt. Bestimmungen, die einen Angehörigen eines Mitgliedstaats daran hindern oder davon abhalten, seinen Herkunftsstaat zu verlassen, um von seinem Recht auf Freizügigkeit Gebrauch zu machen, stellen Beeinträchtigungen dieser Freiheit dar. Nationale Maßnahmen, die geeignet sind, die Ausübung der durch den Vertrag garantierten Grundfreiheiten zu behindern oder weniger attraktiv zu machen, können jedoch zugelassen werden, wenn mit ihnen ein im Allgemeininteresse liegendes Ziel verfolgt wird, wenn sie geeignet sind, dessen Erreichung zu gewährleisten, und wenn sie nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung des verfolgten Ziels erforderlich ist (vgl. u. a. Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften vom 17.01.2008 - C-152/05 - Kommission/Deutschland, Rn 18, 22, 26).

Nach der Rechtsprechung der Kammer (vgl. Urteil vom 13.07.2005 - 1 K 210/04 -) wird die Freizügigkeit durch den Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages über die Abgeltung der Schulsachkosten nicht berührt.

Das Gericht hat im genannten Urteil hierzu ausgeführt:

„Zu berücksichtigen ist, dass die Tochter der Kläger aufgrund ihres Wohnsitzes in Frankreich im Saarland nicht schulpflichtig ist, sondern ihre Schulpflicht grundsätzlich in Frankreich zu erfüllen hat. Demzufolge sind saarländische Schulträger nicht verpflichtet, Schüler mit Wohnsitz in Frankreich aufzunehmen, selbst wenn die zuständigen französischen Behörden im Wege der Ausnahmegenehmigung den Besuch einer Schule im Saarland gestattet haben. In der Vergangenheit ist es auch bereits häufiger zu einer Verweigerung des Einverständnisses des zuständigen saarländischen Schulträgers gekommen, weshalb das betreffende in Frankreich lebende Kind die von ihm gewählte Schule im Saarland nicht besuchen konnte. Hintergrund für die Verweigerung des Einverständnisses war in diesen Fällen, dass der Schulträger keine Möglichkeit hatte, die bei ihm entstehenden Schulsachkosten für das aufzunehmende Kind von dritter Seite zurückzuerlangen, da § 48 SchoG für diese Fälle nicht eingreift und eine andere gesetzliche Grundlage nicht gegeben war. Durch die Neueinführung des § 1 Satz 2 des Gesetzes über Schulgeldfreiheit zum 01.08.2003 ist für die Schulträger erstmals die Möglichkeit geschaffen worden, mit den Eltern der betreffenden Kinder die Abgeltung der Schulsachkosten mittels eines öffentlich-rechtlichen Vertrages zu vereinbaren. Damit besteht für die Schulträger nunmehr die Möglichkeit, die Erteilung ihres Einverständnisses zum Besuch der gewählten Schule durch das in Frankreich lebende Kind von der gleichzeitigen Entrichtung des Schulsachkostenbeitrags abhängig zu machen. Dies ist rechtlich nicht zu beanstanden, da eben kein Rechtsanspruch auf einen Schulbesuch in Deutschland besteht und die Rechtsposition des in Frankreich lebenden Kindes und seiner Eltern durch den Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages mit dem Schulträger gestärkt und nicht verschlechtert wird. Grundrechte des Kindes oder seiner Eltern oder die Freizügigkeit werden ebenfalls nicht berührt, da die Kläger jederzeit die Möglichkeit haben, ihren Wohnsitz wieder in Deutschland zu begründen, ihr Kind dadurch in Deutschland erneut schulpflichtig wird und eine Übernahme der Schulsachkosten durch die Eltern entfällt."

Dem schließt sich das Gericht auch für das vorliegende Verfahren an.

Der Umstand, dass die Mutter des Beklagten als Beamtin in Deutschland einkommensteuerpflichtig ist, rechtfertigt keine andere Einschätzung. Da die Mutter des Beklagten und der Beklagte ihren Wohnsitz in Frankreich haben und sie damit die Einwohnerzahl der Klägerin nicht erhöhen, fließt der Klägerin nämlich kein entsprechender Anteil aus der von der Mutter des Beklagten in Deutschland gezahlten Einkommenssteuer zu. Der Besuch des Beklagten in der in der Trägerschaft der Klägerin stehenden Schule verursacht aber Sachkosten, die der Klägerin auch nicht von dritter Seite erstattet werden. Ein Erstattungsanspruch nach § 48 SchoG scheidet aus, da der Beklagte seinen Wohnsitz in Frankreich hat. Die Stadt Forbach hat in ihrer Bescheinigung vom 23.11.2005 ausdrücklich erklärt, dass sie sich nicht an Kosten beteiligt, die durch die Einschulung des Beklagten in B-Stadt entstehen.

Aus den zitierten Entscheidungen des EuGH zur Gemeinschaftswidrigkeit der deutschen Eigenheimzulage und des Abzugsrecht nur für Schulgeldzahlungen an private inländische Einrichtungen, kann der Beklagte ebenfalls keine andere Einschätzung herleiten, da sie völlig andere Sachverhalte betreffen.

Zur Verdeutlichung sei noch mal betont, dass die Mutter des Beklagten mit Schreiben vom 28.11.2005 eine freiwillige Leistung der Klägerin beantragt hat, nämlich die Aufnahme des Beklagten in eine Grundschule der Klägerin. Mit der Wohnsitznahme in war der Beklagte zunächst in Frankreich schulpflichtig und damit auch berechtigt, eine Schule an seinem französischem Wohnsitz zur Erfüllung seiner gesetzlichen Schulpflicht zu besuchen. Eine Schulpflicht in Deutschland bestand nicht. Damit stand dem Beklagten gegen die Klägerin kein Anspruch auf Aufnahme in eine Grundschule der Klägerin zu. Die in Art. 18 EG a.F. (Art 21 AEUV) normierte Freizügigkeit der Unionsbürger verbürgt kein Wahlrecht, sich eine bestimmte Schule unabhängig vom Wohnort frei auszusuchen. Schulpflicht und Schulrecht bestehen zunächst einmal am Wohnsitz des Schülers.

Hat die Klägerin somit mit der Beschulung des Beklagten auf der Grundlage des zwischen den Beteiligten geschlossenen öffentlich-rechtlichen Vertrages eine freiwillige Leistung erbracht, auf die der Beklagte ohne den Vertrag keinen Anspruch gehabt hätte, so kann sie vom Beklagten auch ohne Verstoß gegen das Freizügigkeitsgebot des Art. 18 EG a.F. (Art 21 AEUV) die Leistung verlangen, zu der sich der Beklagte in freier Vertragsautonomie seinerseits verpflichtet hat (Pacta sunt servanda) .

Anders als in den vom Beklagten zitierten Entscheidungen des EuGH geht es vorliegend nämlich nicht um eine nationale Regelung, die bestimmte eigene Staatsangehörige allein deswegen benachteiligt, weil sie von ihrer Freiheit Gebrauch machen, sich in einen anderen Mitgliedstaat zu begeben, sondern einzig und allein um die vom Beklagten, vertreten durch seine Mutter, der Klägerin vertraglich zugesagte Zahlung des Schulsachkostenbeitrags, der für das Schuljahr 2008/2009, wie dargelegt, 680,00 EUR beträgt.

Der Zinsanspruch ergibt sich aus § 62 Satz 2 SVwVfG i.V.m. §§ 288 Abs. 1, 286 Abs. 2 Ziff. 1 BGB. Der Klage war daher bezüglich des Klageantrages zu 1) stattzugeben.

2. Hinsichtlich des Klageantrags zu 2) war die Klage abzuweisen.

Die Klägerin hat gegen den Beklagten keinen Anspruch auf Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages betreffend die Verpflichtung zur Zahlung eines Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2009/2010.

Dieser Anspruch ergibt sich insbesondere nicht aus dem auch im öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB).

Rechtsprechung und Lehre haben aus § 242 BGB den das gesamte Rechtsleben beherrschenden Grundsatz entnommen, dass jedermann in Ausübung seiner Rechte und Pflichten nach Treu und Glauben zu handeln hat. Der Grundsatz von Treu und Glauben gilt für den gesamten Rechtsverkehr (vgl. Palandt, BGB, 66. Aufl., § 242 Rn 1).

Als Generalklausel enthält § 242 BGB keinen Rechtssatz mit deskriptiven Tatbestandsmerkmalen, aus dem durch bloße Subsumtion bestimmte Rechtsfolgen abgeleitet werden können. In einer mehr als 100-jährigen Rechtsentwicklung ist der Inhalt des § 242 BGB aber durch Herausarbeitung von Funktionskreisen und durch Bildung von Fallgruppen präzisiert und im wesentlichen abschließend konkretisiert worden. Dabei enthält § 242 BGB keine Ermächtigung zu einer Billigkeitsjustiz. Er gibt dem Richter insbesondere nicht die Befugnis, die sich aus Vertrag oder Gesetz ergebenden Rechtsfolgen im Einzelfall durch vermeintlich „billigere“ oder angemessener“ zu ersetzen. Die Anwendung und Weiterentwicklung des § 242 BGB hat sich an den Rechtsgrundsätzen und Rechtsinstitutionen zu orientieren, die Rechtsprechung und Lehre auf der Grundlage des § 242 BGB herausgebildet haben. Sie setzen der Rechtsausübung dort eine Schranke, wo sie zu untragbaren, mit Recht und Gerechtigkeit offensichtlich unvereinbaren Ergebnissen führt (vgl. Palandt, a.a.O., Rn 2).

§ 242 BGB erfordert in allen Anwendungsfällen eine umfassende Interessenabwägung. Dabei sind auch subjektive Elemente zu berücksichtigen (vgl. Palandt, a.a.O., Rn 5). Zu betonen bleibt jedoch, dass § 242 BGB grundsätzlich keine selbstständige Anspruchsgrundlage darstellt (vgl. Palandt, a.a.O., Rn 14a). Seinem Wortlaut und seiner Stellung nach betrifft § 242 BGB nur Nebenpflichten im Zusammenhang mit der Erbringung einer Hauptleistungspflicht (vgl. Jauernig, BGB, 12. Aufl., § 242 Rn 16), wobei nachvertragliche Nebenpflichten unter Umständen sogar auf Neuabschluss eines Vertrages gerichtet sein können (vgl. Jauernig, a.a.O., Rn 30). Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass die Rechtsordnung widersprüchliches Verhalten grundsätzlich zulässt. Die Parteien dürfen ihre Rechtsansichten ändern. Jeder Partei steht es i.d.R. auch frei, sich auf die Nichtigkeit der von ihr abgegebenen Erklärung zu berufen oder ein unter ihrer Beteiligung zustande gekommenes Rechtsgeschäft anzugreifen. Widersprüchliches Verhalten ist aber missbräuchlich, wenn für den anderen Teil ein Vertrauenstatbestand geschaffen worden ist (Palandt, a.a.O., Rn 55).

Nach diesen Grundsätzen hat die Klägerin gegen den Beklagten aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) keinen Anspruch auf Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages betreffend die Verpflichtung zur Zahlung eines Schulsachkostenbeitrags für das Schuljahr 2009/2010.

Wie dargelegt, lässt sich ein solcher Anspruch nicht unmittelbar auf § 242 BGB als Anspruchsgrundlage stützen. Der Anspruch könnte damit nur als nachwirkende Nebenverpflichtung gegeben sein, im Hinblick auf den am 06.03.2006 geschlossenen Beschulungsvertrag, der wegen der Nichtzahlung des vereinbarten Schulsachkostenbeitrags gemäß Ziff. 13 des Vertrages mit Ende des Schuljahres 2008/2009, ohne dass eine Kündigung erforderlich war, außer Kraft getreten ist.

Diese nachwirkende Nebenverpflichtung würde aber auch nur dann bestehen, wenn der Beklagte, vertreten durch seine Mutter, durch ein unredliches, mit der Rechtsordnung nicht in Einklang zu bringendes, untreues Vertragsverhalten zur Auflösung des Vertrages selbst beigetragen hätte und es der Klägerin nach Treu und Glauben nicht zumutbar gewesen wäre, ihre Leistung im Hinblick auf die Auflösung des Vertrages zu verweigern.

Hiervon kann nach den gesamten Umständen nicht ausgegangen werden. Das Verhalten des Beklagten, die Zahlung des vereinbarten Schulsachkostenbeitrages einzustellen, war zwar vertragswidrig, kann aber bei der gebotenen Interessenabwägung unter Berücksichtigung subjektiver Elemente nicht als unredliches, missbräuchliches Vertragsverhalten gewertet werden.

Wie dargelegt, dürfen Vertragsparteien ihre Rechtsansichten ändern und sich auf die Nichtigkeit der von ihnen abgegebenen Erklärung berufen oder ein unter ihrer Beteiligung zustande gekommenes Rechtsgeschäft angreifen. Die Berufung auf die Nichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Vertrages wegen Verstoßes gegen Art. 18 EG a. F. ist hier rechtlich gesehen nicht so abwegig oder fernliegend, dass von einem unredlichen Vertragsverhalten gesprochen werden könnte. Widersprüchliches Verhalten ist zudem nur missbräuchlich, wenn für den anderen Teil ein Vertrauenstatbestand geschaffen worden ist. Dies war bezogen auf das streitige Schuljahr 2009/2010 hier nicht mehr der Fall.

Bereits mit Schreiben vom 07.09.2006 hat die Mutter des Beklagten im Hinblick auf ihre Einkommenssteuerpflicht in Deutschland einen Befreiungsantrag gestellt und um Erstattung des bereits erbrachten Schulsachkostenbeitrages gebeten. Mit anwaltlichem Schreiben vom 16.05.2008 wurde der Befreiungsantrag erneut gestellt, mit der Begründung, die Zahlungspflicht verstoße gegen das Recht auf Freizügigkeit aus Art 18 EG a.F.. Trotz Zahlungserinnerung der Stadtkasse und einem umfangreichen Schriftsatzwechsel der Beteiligten kam der Beklagte seiner vertraglich eingegangenen Verpflichtung bereits für das Schuljahr 2008/2009 nicht mehr nach. Mit Schreiben vom 01.07.2009 hat sich die Klägerin selbst darauf berufen, dass der Beschulungsvertrag bei weiter offen stehender Forderung gemäß Ziff. 13 des Vertrages mit Ende des Schuljahres 2008/2009 außer Kraft tritt, ohne dass es einer Kündigung durch den Schulträger bedarf.

Unter diesen Umständen konnte die Klägerin nicht mehr davon ausgehen, dass der Beklagte den Schulsachkostenbeitrag für das Schuljahr 2009/2010 bezahlt, auch wenn er nach wie vor die Leistung der Klägerin in Anspruch nahm, denn nach der immer wieder geäußerten Ansicht des Beklagten war diese Leistung ja im Hinblick auf die Einkommenssteuerpflicht der Mutter in Deutschland und die geltend gemachte Nichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Vertrages beitragsfrei. Einen vom Beklagten geschaffenen Vertrauenstatbestand kann die Klägerin daher nicht geltend machen.

Es wäre für sie auch nicht unzumutbar gewesen, ihrerseits die eingegangene Vertragsverpflichtung im Hinblick auf die ausstehende Beitragszahlung des Beklagten zu verweigern. Denn für das Schuljahr 2009/2010 hatte der zwischen den Beteiligten geschlossene Vertrag keinen Bestand mehr und die Klägerin hatte den Beklagten auch mehrfach darauf hingewiesen, dass sie nicht mehr zur Leistung verpflichtet ist.

Dass sie letztendlich den Beklagten aus pädagogischen Gründen weiter beschult hat, offensichtlich um den minderjährigen Beklagten nicht unter dem vertragswidrigen Verhalten seiner Mutter leiden zu lassen, war eine nachvollziehbare, humanitäre Geste im Interesse des Kindeswohls, aber für die Klägerin nicht unabwendbar.

Dass die Klägerin betreffend das Schuljahr 2009/2010 ohne Vertrag und damit ohne Rechtsgrund eine Leistung erbracht hat, für die sie keine Gegenleistung erhalten hat, kann einen Anspruch aus § 242 BGB auf nachträglichen Abschluss eines Vertrages nicht stützen. Für einen diesbezüglichen Ausgleich hat der Gesetzgeber das Rechtsinstitut der ungerechtfertigten Bereicherung (§§ 812 BGB ff.) geschaffen, das im Öffentlichen Recht als öffentlich-rechtlicher Erstattungsanspruch seine entsprechende Anwendung findet. Diese, in der mündlichen Verhandlung vom Gericht auch erörterte Möglichkeit, wäre hier entgegen der Auffassung der Klägerin nicht deshalb ausgeschlossen gewesen, weil der Wert der Leistung nicht hätte bestimmt werden können. Nach § 818 Abs. 2 BGB ist Wertersatz zu leisten, wenn die Herausgabe des Erlangten wegen deren Beschaffenheit unmöglich ist. Zu ersetzen ist dabei der gemeine Wert, d.h. der objektive Verkehrswert, den das Erlangte nach seiner Beschaffenheit für jedermann hat, bzw. der Betrag, den ein Dritter am Markt dafür zu zahlen bereit gewesen wäre. Bei Dienstleistungen kann zur Bemessung des Wertersatzes auf den vom Vertragspartner ersparten, d.h. in der Regel auf den - wie hier - vertraglich vereinbarten Betrag zurückgegriffen werden. Die §§ 814 und 818 Abs. 3 BGB sind bei öffentlich-rechtlichen Erstattungsansprüchen nicht anwendbar, zumal die Klägerin hier im Hinblick auf den angedrohten Eilrechtsschutz mit einer gerichtlichen Inanspruchnahme rechnen musste.

Wäre somit für die Klägerin bezogen auf das Schuljahr 2009/2010 die Geltendmachung eines öffentlich-rechtlichen Erstattungsanspruchs in Betracht gekommen, so verbietet sich ein Rückgriff auf das Rechtsinstitut von Treu und Glauben nach § 242 BGB als Generalklausel. Wie bereits oben dargelegt, enthält § 242 BGB keine Ermächtigung zu einer Billigkeitsjustiz. Das Gericht hat den Vorrang gesetzlicher Regelungen zu beachten.

Die Klage ist daher bezüglich des Klageantrages zu 2) abzuweisen.

3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 155 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 VwGO; die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus den §§ 167 VwGO, 708 Nr. 11, 709, 711 ZPO.

4. Für eine Zulassung der Berufung besteht kein Anlass (vgl. § 124 a Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 124 Abs. 2 Nr. 3 und Nr. 4 VwGO).

Beschluss

Der Streitwert wird gemäß §§ 63 Abs. 2, 52 GKG n.F. auf 1.360,00 Euro festgesetzt.